Riesling aus Übersee

Ende Oktober fand bei einfach geniessen in München eine Riesling Verkostung statt, bei der neben solchen aus Deutschland, Österreich, Südtirol und dem Elsass auch sieben Rieslinge aus Übersee zu finden waren.

Aus Washington State kommt der verkostete Riesling von Charles Smith, genauer gesagt aus dem östlichen Washington. Hier sind die Böden in der Regel so sandig-lehmig, dass die Reblaus sich kaum durchsetzen kann und die meisten der Rebstöcke wurzelecht gepflanzt sind. Das Weinbaugebiet hat heiße, steppenhaft trockene Sommer und immer kalte, manchmal arktisch kalte Winter, also ein extremes Kontinentalklima. Trockene, fast wüstenähnliche Bedingungen herrschen hier vor. Im Winter ist die Gefahr strenger Fröste groß, der Sommer hat neben viel Sonnenschein auch kühle Nächte aufzuweisen. Daraus resultieren fruchtige Weine mit frischer Säure. Der sehr gute 2014 Riesling Kung Fu Girl (15 €) zeigt leichtes Petrol, einen sortentypischen Geruch mit Pfirsich, Aprikose, Grapefruit und Limette. Er hat eine runde feine Säure sowie einen guten, fruchtigen Abgang, mit einem schönen Nachhall von Grapefruit und Limette.

Die nächsten beiden Rieslinge, beides gute Weine stammten aus dem australischen Clare Valley. Hier herrscht ein wesentlich moderateres kontinentales Klima mit warmen Tagen und kalten Nächten. Von kiesigen Lehmböden stammt der 2015 Spring Farm Riesling, Kilikanoon (13 €). Auch hier zartes Petrol und eine straffe, gute Struktur. Der schlanke Wein brauchte jedoch etwas Luft zur Entfaltung.

Mit fast 500 m Höhe zählt der Weinberg, der die Trauben des 2016 Lodge Hill Dry Riesling, Jim Barry (20 €) liefert, mit zu den höchstgelegenen des Clare Valley. Der Wein wirkt kühl, zeigt einen sortentypischen Duft von Aprikose und Zitrus sowie zartes Petrol. Am Gaumen präsentiert er eine sehr ansprechende, frische Säure und säuerliche Frucht bei einem guten Abgang.

Auf der Nordinsel Neuseelands, einige Kilometer außerhalb von Martinborough findet sich die zweiterrassige Weinlage Te Muna Road. Auf der oberen Terrasse gedeiht überwiegend Pinot Noir aber es wachsen dort auf den sehr alten, steinigen Lehmböden auch einige Rieslingreben, von denen der 2014 The Muna Road Riesling, Craggy Range (22 €) stammt. In Duft und Geschmack finden sich Petrol und Limette, der gute Wein zeigt eine ansprechende Komplexität, ist sehr rund und trinkanimierend, mit ordentlicher Abgang und schönem Nachhall.

Bis ins 17. Jahrhundert reicht die Geschichte des südafrikanischen Weinguts Klein Constantia zurück. Der weitaus größte Teil der Weinlagen liegen an den östlichen Hängen und Ausläufern des Constantiabergs in Höhen zwischen etwa 70 und 350 Meter Seehöhe. In den höheren Lagen herrscht ein kühles Klima, welches gerade für weiße Reben ideal ist, insbesondere auch für Riesling. Die Trauben des verkosteten 2013 Riesling, Klein Constantia (17 €) stammen aus diesen Lagen, von mit Böden mit gut durchlässigem Granit und hohem Lehmanteil. Der Wein zeigt eine gute Komplexität, zarte Noten von Reife, florale und kräuterige Noten sowie eine zarte Restsüsse – ein guter Wein mit schönem, leicht warmen Abgang.

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