Rioja-Reise 2017 (II)

Marques de Riscal

Zu den bekanntesten Kellereien im Rioja zählt Marques de Riscal in Elciego, sehr bekannt, nicht zuletzt deswegen, weil einige ihrer Weine auch in deutschen Supermärkten zu finden sind. 1858 von Guillermo Hurtado de Amézaga, auch Marques de Riscal genannt, gegründet, hat sich die Bodega heute zu weit mehr als einem Weingut entwickelt. Neben den Trauben von 500 Hektar eigenen Weinbergen werden auch Trauben der Vertragserzeuger von weiteren 1.000 Hektar bearbeitet. Auf den der Kellerei eigenen Weinbergen sind auch die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec und Pinot Noir zu finden, die schon mit der Gründung des Weinguts aus Bordeaux nach Rioja Alavesa geschickt und angepflanzt worden waren. Zwei weitere Weingüter in Rueda und in Kastilien-Leon gehören zum Imperium des Marques de Riscal. Im Jahr 2006 wurde das nach dem Entwurf des weltbekannten Stararchitekten Frank Gehry, auf dem Gelände der Bodega gebaute Luxushotel, Marques de Riscal eröffnet. Die Kellerei ist der wichtigste Arbeitgeber von Elciego – weit über 40% der Einwohner sind bei Marques de Riscal beschäftigt. Das tägliche Aufkommen an Besuchern scheint groß, Führungen werden neben Spanisch auch in Englisch, Französisch und Italienisch angeboten. Zum großen Besucherandrang trägt vermutlich auch der Frank Gehry-Bau mit bei. Alle verkosteten Weine waren sehr ordentlich. Gut gefallen hat mir der Marques de Riscal Reserva 2013, sehr kirschig, mit zarten Fass- und Gewürznoten, saftig, beschwingt, ein frischer, guter Wein mit ordentlichem Abgang.

Contino

Begonnen hatte der dritte Tag der der Riojareise mit Contino, einem Weingut, das auf über 1000 Jahre Weinherstellung zurückblicken kann – zumindest soll die erste urkundliche Erwähnung derer Weinlagen solange zurückliegen. Im Jahre 1973 wurde das Weingut, in der heutigen Aufstellung, von der damaligen Besitzerfamilie der Weinberge und CVNE (Compañía Vinícola del Norte de España) gegründet. Mit seinen 63 Hektar ist Contino im Vergleich zu den rund 550 ha von CVNE eher klein. Jesus Madrazo, Sohn der jetzigen Besitzerfamilie empfing uns und führte sowohl durch das aus dem 16. Jahrhundert stammende Herrenhaus als auch durch die 2004 neu erbaute Kellerei, bevor wir in einem Teil des Anwesens, der ursprünglich als Garage und Werkstatt für die Traktoren gedient hatte, einige Weine des Weinguts verkosteten. Sehr gut der Contino Blanco 2015, mit viel reifem Apfel, zartem Honig und etwas Akazienholz, saftig, klar und mit guten Trinkfluss, sehr gut auch die Contino Garnacha 2014, floral, rotfruchtig mit ansprechender Tanninstruktur und guter Struktur. Der Contina Reserva 2010 aus 85% Tempranillo, 10% Graciano, 5% Mazuelo und Garnacha: würzig, rund, dunkelfruchtig, Heidelbeere, Pflaume, frische Säure, kräftiges Tannin, saftig, Fassnoten, dicht, konzentriert, ein ausgezeichneter Wein. Ebenso ausgezeichnet der Contino Graciano 2014 mit Noten von Nuss, Toasting, dunklen Früchten wie Pflaume, schwarzer Johannisbeere und auch schwarzen Oliven, zeigte sich sehr straff, mit guter Struktur und einem sehr schönem Abgang. Dem stand auch der Contino Olivo 2011 in nichts nach. Sehr konzentriert – fast üppig, sehr saftig, mit kräftigen aber feinen Tanninen, einer prägnante Säure und sehr gutem, langen Abgang. Insgesamt eine sehr überzeugende Präsentation des Weinguts, das in jedem Fall mit zu meinen Favoriten des Rioja zählt.

Fernando Remírez de Ganuza

Im Jahre 1989 gründete Fernando Remírez de Ganuza die gleichnamigen Bodegas in Samaniego im Rioja Alavesa. Fernando konnte dabei seine Erfahrungen nutzen, die er in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts beim An-und Verkauf von bewirtschafteten als auch aufgegebenen Rebflächen in Rioja Alavesa gemacht hatte. So war es ihm möglich, ausgezeichnet gelegene Rebflächen entlang der Sierra Cantabria zu erwerben. Neben der Güte dieser Weinlagen, war für den Erfolg des Weinguts mindestens ebenso entscheidend nicht nur eine bestmögliche Traubenqualität zu produzieren, sondern diese auch, durch immer weiter perfektionierte Arbeitsschritte, in das Endprodukt Wein optimal zu transferieren.

So beginnt Qualität bei Remírez de Ganuza bei der Arbeit im Weinberg, hier wird schon bei der Handlese in kleine Kisten stark selektioniert, was bedeutet, dass Trauben, die nicht eine ausreichend reif sind an andere Weingüter verkauft werden. Auf dem Sortiertisch werden anschließend lose Beeren aussortiert und nur Trauben in bestem Zustand der Weiterverarbeitung zugeführt. Dabei werden die Trauben in die, der Sonne mehr ausgesetzten Schultern, genutzt für Reservas, und dem eher beschatteten unteren Anteil der Traube, für junge Weine, getrennt. Dabei austretender Saft wird für das Abwaschen von Sand und Schmutz von den geernteten, selektionierten Trauben genutzt. Nach der Vergärung wird ausschließlich der frei ablaufende Wein weiter ausgebaut. Der aus der Pressung gewonnene Wein wird an andere Weingüter veräußert. Die daraus entstehende Qualität wurde im Falle der Gran Reserva 2004 von Parker mit 100 Punkten bewertet.

Wir haben den sehr guten Remirez de Ganuza Rioja Blanco 2015 verkostet, einen sehr frischen, gut straffen, griffigen Wein, der mit extrem kräutrig-minzigen Noten, etwas tropischer Frucht und leichtem Traubenzucker zu überzeugen wusste. Die rote Remirez de Ganuza Reserva 2009 zeigte sich dicht in der Nase, dunkelfruchtig, mit floralen Noten, würzig und dicht am Gaumen mit sehr kräftigem Tannin – ein langanhaltender, sehr guter bis ausgezeichneter Wein.

Bodegas Riojanas

Bereits seit 1890 gibt es die Bodegas Riojanas. Seit 1997 ist das Unternehmen börsennotiert. Neben der Kellerei in Rioja gehören auch Bodegas in Rias Baixas, Rueda und Toro zum Unternehmen. Rund 100 Hektar sind im Rioja in und um Cenicero und San Vicente de la Sonsierra hauptsächlich mit Tempranillo, aber auch mit einem größeren Anteil von Mazuelo und Graciano bepflanzt. In annähernd 30.000 Fässern, die sich in riesigen unterirdischen Lagern befinden, reift der Wein. Bemerkenswert für den Besucher der Bodega sind Aromenstationen, die einem einzelne, charakteristische Düfte des Weins näher bringen.
Die beiden bekanntesten Linien des Hauses sind Albina und Monte Real, die in ihren unterschiedlichen Varianten eine gute Präsenz im deutschen Weinhandel haben. Sehr gut gefallen hat mir der Monte Real Gran Reserva 2009, sehr fruchtig, kirschig, pfeffrig und mit etwas Kakao. Komplex mit runder Säure, feinem, präsentem Tannin und einer runden Frucht und kräftig präsentierte sich der sehr gute Wein.

Bodega Vivanco

Das letzte besuchte Weingut, die Bodega Vivanco ist etwas außerhalb von Briones gelegen und bietet im zur Bodega gehörenden Museum der Weinkultur nicht nur einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Weines, sondern präsentiert auch verschiedene Typen von Weinflaschen, detaillierte Informationen zur Herstellung von Weinfässern, beginnend mit der Wahl der Holzsorte hin über alle Arbeitsschritte bis zum fertigen Fass und zeigt wahrscheinlich einer der weltweit umfänglichsten Sammlungen von Korkenziehern. Die Bodega baut die Weine nach den gängigen neuen Erkenntnissen moderner Weinbaukultur aus, angefangen von der schwerkraftabhängigen Verarbeitung bis hin zur Kaltmazeration und dem Ausbau im kleinen Holz. Letzterer erfolgt bei Vivanco nicht hauptsächlich, wie sonst im Rioja üblich in amerikanischer, sondern sehr häufig in französischer Eiche. Darüber hinaus kommen auch andere Holzsorten wie Akazie zum Einsatz. Neben jungen Weinen und den klassischen gereiften roten Weinen des Rioja bietet das Weingut mit seiner Colección Vivanco auch sortenreine Weine von Mazuelo, Garnacha, Maturana Tinta und Graciano sowie zwei Cuvees aus überwiegend Tempranillo mit Tempranillo, Graciano, Garnacha und Mazuelo an – eine Cuvée davon als roter, botyrisierter Süßwein im Stil einer Beerenauslese vom Neusiedlersee.
Von den gereiften roten Weinen sehr gut gefiel mir die äußerst fruchtige Vivanco Crianza 2013 mit ihrem mittleren, gut abgerundetem Tannin, dem Geschmack nach roten Beeren, insbesondere Erdbeere, bei guter Struktur, mit ansprechender Säure und gutem Abgang. Aus der Colección Vivanco überzeugte mich der Maturana Tinta 2014. Ein sehr dunkler Wein mit würzigen Kräuter, Heu, weißem Pfeffer und einer zieselierten Säure sowie feinem Tannin. Ein sehr dichter, mineralischer und ausgezeichneter Wein mit sehr gutem Abgang.

Zu Riojareise 2017 (Teil I)

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