Ist Weinbau in Südbayern möglich?

Dass in Bayern Weinreben gedeihen können ist keine Frage – fränkischer Wein ist bekannt, nahe Regensburg wird Landwein erzeugt und ausgeschenkt und auch am Bodensee gibt es einige bayerische Gemeinden, die Wein erzeugen, jedoch offiziell zum Weinbaugebiet Württemberg zählen.

Wie sieht es aber mit Weinbau im südlichen Bayern aus? Diese Frage stellte sich, als ein Kunde um Beratung zur Errichtung eines Hobbyweinbergs bat. Bei meinem Winzerjahr an der Weinbauschule Krems habe ich alle gängigen Arbeiten eines Winzers in Weinberg und Keller durchgeführt – die Neuanlage eines Weingartens war jedoch nicht darunter.
Viele Fragen galt es zu klären, darunter auch die der rechtlichen Vorgaben, eines am besten geeigneten Erziehungssystem inklusive der Einkaufsmöglichkeit und vor allem die Frage der am besten geeigneten Rebsorten für einen Weinberg nahe München.

Die rechtlichen Vorgaben für sogenannte Hobbypflanzungen von Weinreben sind auf dem Merkblatt zur 10-Ar-Regelung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau einzusehen. Hobby-Weinbau darf nur auf einer Fläche maximal 1000 Quadratmeter betrieben werden. Für die Bepflanzung mit Rebstöcken heißt dies bei einem Reihenabstand von 2 Meter und einem Pflanzabstand in der Reihe von einem Meter: Rund 500 Reben dürfen gepflanzt werden, bei größeren Abständen sind dies entsprechend weniger.

Um uns eine bessere Vorstellung von dem was in einem Weinberg und auch Weinkeller nötig ist, machten wir eine Exkursion zu einem fränkischen Winzer, der auch einige pilzwiderstandsfähige Rebsorten gepflanzt hat. Diese Piwi-Sorten hatten wir nämlich als Favoriten auserkoren, da sie mit nur sehr geringem Einsatz von Schwefel dem jährlich durchschnittlich 800 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in unserem Gebiet trotzen können, der noch dazu in vielen Jahren zu mehr als der Hälfte im Sommer fällt.

So traf es sich sehr gut, dass wir ein einige Piwis direkt vor Ort bei unserer Exkursion in Franken kennenlernen konnten, darunter die weißen Sorten Cabernet Blanc und die noch im Versuchsanbau befindliche VB Cal 6-04 sowie die beiden roten Sorten Regent und Pinotin. Aufgrund des warmen und trockenen Wetters in 2018 konnten wir Ende August auch Trauben all der genannten Sorten verkosten. Da sich Trauben und Wein bekanntlich aber unterscheiden, haben wir natürlich auch Wein dieser Trauben verkostet – aus unterschiedlichen Weinbaugebieten. Denn natürlich sollte einem die Aromatik des Weines schon weitgehend entsprechen, schließlich darf man diesen rein rechtlich, mehr oder weniger auch nur selbst genießen.
Das wichtigste für die Wahl waren aber letztendlich die Gespräche mit dem Besitzer der Rebschule Freytag, bei denen sich dann als am besten geeignet die weiße Rebsorte Solaris und die rote Rebsorte Caberet Noir herausstellten.

Die vor einigen Tagen umgeackerte, für den Weinbau vorgesehen Fläche muss noch bis zum Frühjahr 2019 warten bis sie mit den georderten Rebstöcken bepflanzt wird – wir bis 2022 zur ersten Abfüllung eines Weins.

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